Feinstaub aus kleinen

Holzfeuerungen

Gegenwärtig ist wohl kaum in unseren    Kreisen ein Fachthema derart aktuell,   wie das des Feinstaubs. Die Erkenntnis,   dass Konzentrationen von Feinstaub in   der Atemluft zu hohen Anteilen durch  den Rauch aus kleineren Feuerstellen wie Cheminées und Holzöfen verursacht werden, sind ernst zu nehmen. So haben am 8. Und 9. November 2011 das Bundesamt für Umwelt und Cercl‘ Air zu einer gemeinsamen Tagung nach Ittigen eingeladen, um eine Standortbestim-mung über Staubfilter in kleinen Holzheizungen vorzunehmen. Eine  der erstaunlichen Schlussfolgerungen dieser Tagung ist das Aufzeigen der Grenzen von Filtersystemen im Kampf gegen den Feinstaub. Darin liegt eine gefährliche Verkennung in der enormen Möglichkeit von Staubfiltern, die sich auf Grund der guten Resultate während ihrer kurzen Entwicklungszeit keineswegs an ihren Grenzen befinden. Dies aus verschiedenen Gründen. Die Schädlichkeit dieser kleinsten Tausendstel- Millimeter messenden Staub- oder Russteilchen vermögen bis tief in die Lungen vorzudringen und bei genügender Konzentration Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen auszulösen.- Während bis vor wenigen Jahren, der Grossteil der Feinstaubbelastung in der Luft aus den Auspuffen von Dieselmotoren stammte, sind es dank eindämmender Massnahmen auf diesem Bereich nicht mehr Dieselfahrzeuge, sondern vor allem während der kalten Wintertage die zahlreichen beheizten Holzfeuerungen in den Wohnquartieren, aus deren Kaminen qualmender Rauch austritt, der für einen beträchtlichen Anteil an Feinstaub verantwortlich ist. Diese Situation wird sich dann noch verstärken, wenn durch ganz bestimmte und anhaltende Schönwetterlagen mit geschlossener Nebeldecke über dem Tiefland die Rauchschwaden darunter aufgestaut werden.So ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn fast regelmässig mit diesen typischen Inversions- Wetterlagen Alarmstimmung aufkommt, weil damit auch die Feinstaubmenge in der Atemluft, verursacht durch eine Vielzahl ungenügender bis untauglicher Holzfeuerungen stark ansteigt. Dieser Zustand ist echt besorgniserregend und sollte keineswegs einfach hingenommen werden. In diesem Sinn ist es auch richtig, wenn die Öffentlichkeit darüber informiert wird. Erstaunlich ist dabei jedoch die Tatsache, wie rasch nach solchen Aufrufen und mit dem Abklingen der entsprechenden Wetterlage die Beunruhigung wieder verflacht und vor allem mit der wärmeren Jahreszeit für Monate kaum mehr zum Thema wird. Gerade  dieser verhältnismässig kurzzeitige Verlauf der jährlichen Belastungskurve durch den Feinstaub, macht es schwierig dem Anliegen das anhaltende Gewicht zu geben, woraus die zwingend notwendigen Massnahmen folgen müssten, welche ähnlich wie im Fall der Dieselmotoren zum raschen Erfolg geführt haben.Es ist ohne Zweifel Tatsache, dass in der Schweiz eine  grosse Anzahl der bekannten Holzfeuerungen, wie Cheminées, Zimmeröfen und Kachelöfen vor allem älteren Datums den heutigen Anforderungen an eine saubere Verbrennung nicht mehr gerecht werden können. Sie vermögen nach wie vor mit bescheidener Wirkung eine behagliche Wärme zu verbreiten, sonst aber den heute gültigen Kriterien einer umweltfreundlichen Holzverbrennung nicht mehr zu genügen.- Dem gegenüber steht aber ebenso fest, dass ein überwiegendes Angebot, moderner Holzheizgeräte ausgezeichnete Verbrennungswerte erzielen und sehr effizient und umweltschonend arbeiten. Dabei ist allerdings festzustellen, dass über das ganze Angebot gravierende Unterschiede bestehen. Auf Grund der jahrhundertalten Tradition des Hafnerhandwerks wurde durch verschiedene Epochen eine sehr hochwertige Ofenbaukunst gepflegt, deren antike Zeugen, in der Gegenwart nicht durch eine besonders vorzügliche Verbrennung bestechen können, aber dank ihrem handwerklichen und künstlerischen Gestaltungsreichtum noch auf lange Zeit erhaltenswert bleiben werden. So sind auch eine grosse Anzahl der in Betrieb stehenden Kachel- und Speicheröfen in zahllosen Wohnstuben sehr geschätzt und ähnlich erhaltenswert.Eine ganz besondere Stellung innerhalb des vielfältigen Angebots nimmt der Offene Kamin oder das Cheminée ein und vermag in besonderer Weise unsere Wohnkultur zu bereichern. Eine offene Feuerstelle wird auf Grund des hohen Luftüberschusses nie die idealen Abbrandwerte erreichen wie eine geschlossene Feuerstelle und kommt in Bezug auf ungenügende Verbrennung und Schadstoffausstoss am schlechtesten weg. Eine offene Feuerstelle wird allerdings weniger an der Heizleistung bemessen, als an ihrer behaglichen Ausstrahlung und an dem Charme des wärmenden. sichtbaren Feuers. Kann die offene Feuerstelle jedoch mit einem Glasfenster oder durch eine entsprechende Feuertüre beim Cheminéeofen geschlossen werden, verbessern sich mittlerweile auch in diesem Anwendungsbereich die Heizwerte sehr deutlich.  Dass es trotz der vorhandenen Vielfalt der verschiedene Systeme und Bauarten möglich ist, auch ältere Holzfeuerungen soweit zu optimieren, dass sie weitgehend schadstofffrei arbeiten, ist nebst richtiger Handhabung und Wartung vor allem dem modernen Staubpartikelfilter zu verdanken.Da der Staubfilter als wirksames Instrument in praktisch jeglicher Art von Feuerstellen Anwendung finden kann, ist er trotz der unterschiedlichen Rahmenbedingungen am besten geeignet, die entscheidende Reduktion der anfallenden Partikel rasch und wirksam zu erreichen. Einfach gesagt, je ungenügender ein Heizgerät, desto effektiver der messbare Nutzen. Es wäre jedoch ein Trugschluss, mangelhafte Anlagen in ihrem Zustand
zu tolerieren, nur weil ein vorhandener Staubfilter den erhöhten Schadstoffausstoss weitgehend zu reduzieren vermag. Konstruktive Mängel und Schwachstellen und schlechte Verbrennung an Holzfeuerungen sind in keinem Fall die richtige Ausgangslage für den Einbau eines Staubfilters. Aber es ist gut zu wissen, dass sowohl in bewährten aber durchaus intakten Anlagen mit seiner Unterstützung unabhängig und in jedem Fall ein weitaus besseres, ja vorzügliches Ergebnis möglich ist.Es stellt sich die konkrete Frage:  wo ist nun der Einbau eines Staubfilters wirklich angezeigt und sinnvoll, sei es im Neubau oder in der bereits bestehenden Anlage. Immerhin ist damit ein zusätzlicher Kostenaufwand von ungefähr Fr. 1500.-bis 2000.- zu erwarten, der dem Auftraggeber mit der Übernahme der Kosten nicht einfach einen entsprechenden Zusatznutzen verspricht. Mit der Freihaltung der Umwelt von vermeidbaren Schadstoffen übernimmt er bewusst die Verantwortung des Verursachers. Dieser persönliche Beitrag im Interesse der Gesamtheit als echte Umweltverantwortung wahrzunehmen, setzt vom Kunden mehr Engagement voraus als allgemeine und  lautstarke Forderungen an den Umweltschutz. Diese Haltung kann auch nicht als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt werden, da keine behördlichen Vorschriften für dessen Einbau geltend gemacht werden können.  Im Gegensatz zu der freiwilligen  Übernahme von Verantwortung des Endkunden, sollten unsere gemeinsamen und verstärkten Bemühungen zwischen  dem Handwerk und dem Hersteller verstärkt werden. Gerade gegenüber der Öffentlichkeit soll unser Anliegen noch profilierter über den vermehrt kumulierten Einsatz von einwandfreien Feuerungsanlagen kombiniert mit dem gezielten Einbau von Staubfiltern bekannt gemacht werden. Darauf hinzuweisen, eine Anlage sachgemäss zu warten und nur mit  geeignetem Brennholz zu bestücken, ist wohl unerlässlich für eine saubere Verbrennung, genügt aber nicht. Deutlich aufzuzeigen, dass die anfallende  Feinstaubbelastung über den eingebauten Filter generell auf einen Viertel des ungefilterten Ausstosses zu verringern ist, trifft schon eher  den Kern der Sache. Die daraus zu erwartenden  Konsequenzen, könnten bei breiter Anwendung ähnliche durchgreifende Erfolge in der Bekämpfung des Feinstaubes herbeiführen, wie die überzeugenden Massnahmen der Dieselfahrzeuge- Hersteller im Vekehrsbereich. Doch darüber schweigt der Bericht und weist lediglich auf die vermehrten Rückstände im Abgasbereich hin, die es zusätzlich zu entsorgen gilt und dadurch Mehrkosten verursacht werden. Dabei kann ja auch der beste Filter immer nur annähernd die Menge an Schadstoffen zurückhalten, welche aus der bereits erfolgten Verbrennung anfallen. Wenn hier schon eine Kritik angebracht scheint, gilt sie mit Sicherheit nicht dem Filter, sondern der Feuerung, welche die Rückstände erzeugt, also genau die Rückstände, die dank dem Filter die Umwelt nun nicht mehr zu belasten vermögen. Die kürzlich geführten Stellungnahmen unter den beteiligten Fachgruppen scheinen die Möglichkeiten eines breiten Filtereinsatzes eher zu verkennen. Bei der grossen Anzahl in Betrieb stehender Holzfeuerstellen (ca. 600 000) sollen die ungenügenden (ca. 20-30 %) durch neue, das heisst gute Anlagen ersetzt werden. Neuanlagen haben ohnehin den heutigen Anforderungen zu entsprechen und erfordern somit keine weiteren Massnahmen. Denn: „Gute neue Anlagen sind gut“, heisst es im begleitenden Kommentar. Überhaupt scheinen fast sämtliche Bemühungen nur darauf ausgerichtet zu sein, dass bestehende Geräte richtig betrieben und Neuinstallationen nach dem  heutigen Stand der Technik gebaut werden. Trotzdem ist diese Betrachtungsweise zumindest einseitig und unvollständig. Es bleibt ein massgeblicher Rest sehr unterschiedlicher Holzfeuerungen, welche ihr Dasein unter  der Beurteilung  genügend bis gut fristen. Hier liegt eigentlich das grosse Potenzial des Staubfilters. Ansonsten sind viele dieser Anlagen  jetzt oder in wenigen Jahren umfassend  erneuerungsbedürftig. Ist dieser Zustand bereits fortgeschritten, wird ein Umbau oder Neubau fällig. Dann fallen rasch Kosten von Fr. 6000.- bis 12000.- pro Anlage an, um anschliessend  die Beurteilung  als „ gute Anlage“ zu erreichen, und damit den geforderten Emissionswerten zu entsprechen. Das soll nun nicht heissen, dass mehrheitlich der alleinige Einbau des Staubfilters genügen würde. Aber es mutet sehr seltsam an, dass ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt nicht eindeutig auf seine grossen Möglichkeiten hingewiesen wird, in der Herausforderung gegenüber der vorhandenen Feinstaubbelastung, die es in absehbarer  Zeit wirksam zu lösen gilt. Vielleicht liegt ja an diesem Punkt das eigentliche Problem, das eine rasche Verbesserung der Situation nur über die Heizgeräteerneuerung unmöglich macht. Mit den angestrebten, konventionellen Verfahren, dauert die angestrebte Verbesserung des heutigen Zustands viel zu lange, um ein offensichtliches Ergebnis zu erreichen. Im Gegenteil soll die junge Entwicklung des Partikelabscheiders mit ungefähr 2000 eingesetzten Staubfiltern bereits an seine Grenzen gekommen sein, während sich seine vielfältigen Möglichkeiten erst richtig abzeichnen. Es ist richtig, dass fehlerhafte und schlecht dimensionierte Feuerungsanlagen keine qualifizierte Grundlage bieten können, für jede Art einwandfreier Verbrennung. Dies schmälert aber nicht das grosse Verdienst des Staubfilters, der das Problem der Feinstaubbekämpfung viel direkter angeht als jede andere Massnahme. Auch ohne zwingende Totalerneuerung kann an einem Grossteil bestehender Anlagen viel rascher, zudem mit einem Bruchteil des Aufwandes und der Kosten ein besseres Resultat erreicht werden als eine Lösung ohne Partikelabscheider.Bis heute wurden Staubfilter immer anhand spezieller Abklärungen und Messungen in bestehende Feuerungsanlagen eingebaut. Das allein erfordert einen beträchtlichen Aufwand. Einfacher wäre es, diese Vorabklärungen schon bei der Projektierung einer Neuanlage vorzunehmen und in den geplanten Auftrag einzubeziehen. Unvermeidbare Nachrüstungsanpassungen vor Ort würden somit wegfallen. Eine nahtlose Integration des Staubfilters in das Heizgerät unter Werkstattbedingungen, wäre auch trotz unterschiedlichen Voraussetzungen von Vorteil
Peter Rüegg, Geschäftsführer Rüegg Ecotec AG